Wenn der Trainer nicht mehr zum Sündenbock taugt…

25. Januar 2006 | 10:43 von Björn Hornemann

trainerentlassungDie Saison 05/06 steht kurz vor der Rückrunde. Dennoch hat man bei den Trainerentlassungen einen neuen Rekordwert erreicht. 8 entlassene Coaches schon nach der Hinrunde hat es nach meinem Stand bisher noch nicht gegeben. Unglücklich auch die Umstände der Trennungen. Geht man nach den Gepflogenheiten der vergangenen Hinrunde, muss ein Trainer die Treuebekundungen seines Vereins eher als Warnsignal interpretieren. Kein Glanzlicht warfen die Umstände der Entlassung von Ewald Lienen auf Vorstand und Geschäftsführung von Hannover 96. Auch Schalke legte sich durch den Umgang mit Coach Rangnick einen PR-Gau ins eigene Nest, dem als kleines Nachbeben der eher unfreiwillige Wechsel von Manager Assauer auf den Präsidentenposten im kommenden August folgen wird.

Allerdings hat sich in den vergangenen Monaten eine neue Entwicklung in Gang gesetzt. Der Trend der Saison 2005/2006 nennt sich Doppelwechsel, denn auch die Manager und Geschäftsführer sind bei sportlichem Mißerfolg nicht mehr unantastbar. Zuletzt war dies beim Zweitligisten 1860 München zu beobachten. Der Münchener Club entließ am Sonntag neben Trainer Maurer auch Geschäftsführer Kneißl, um ihn gg. den ehemaligen Nationalverteidiger Stefan Reuter auszutauschen. Ein ähnliches Bild beim 1. FC Köln. Dort löste Michael Meyer (ehemaliger Manager von Borussia Dortmund) den glücklosen Andreas Rettig ab. Ein weiteres Beispiel bildet die de-facto Entmachtung von Rudi Assauer bei Schalke 04. Bevor Rainer Calmund sich als Aufhänger für schlechte Manager-Reality-Shows der Produktionsfirma Endemol hergab, war auch er mal Aushängeschild eines gewissen rheinischen Werks-Clubs aus Leverkusen.

Nun fragt man sich: Ist diese Entwicklung im Schatten des erhöhten Medieninteresses vor der WM aufgezogen oder stellen die Clubs die Management-Ebene im Rahmen eines Generationswechsels neu auf? Aussauer war schon seit Jahren der Pate von Gelsenkirchen, Calmund vermutlich mit einem höheren Bekanntheits- und Gewichtsgrad ausgestattet als Bayer Leverkusen. Clubs wie Werder Bremen oder der Hamburger SV machen vor wie man mit Kontinuität auf Management und Trainer-Ebene einen Club erfolgreich entwickeln kann. Machen die Beispiele Schule, geht die Liga ökonomisch wie sportlich deutlich besseren Zeiten entgegen.

Statistik: Trainerentlassungen 2005/2006

01. Klaus Augenthaler [Bayer Leverkusen]
02. Wolfgang Wolf [1. FC Nürnberg]
03. Ewald Lienen [Hannover 96]
04. Michael Henke [1. FC Kaiserslautern]
05. Norbert Meier [MSV Duisburg]
06. Ralf Rangnick [FC Schalke 04]
07. Uwe Rapolder [1. KC Köln]
08. Holger Fach [VfL Wolfsburg]

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2 Kommentare zu “Wenn der Trainer nicht mehr zum Sündenbock taugt…”

  1. Manni der Libero behauptet:

    Mein Tipp:

    09. Michael Skibbe [Bayer Leverkusen]

  2. blog.fanfaktor.de - das fußball-blog » Blog Archive » Flasche leer: Stuttgart entlässt Trappatoni behauptet:

    […] Die Anzeichen das es beim Vfb Stuttgart unter Giovanni Trappatoni nicht richtig läuft waren schon seit einiger Zeit zu spüren. Offene, in den Medien ausgetragene Konflikte mit Führungsspielern wie Zoldo, Hildebrand und zuletzt auch mit seinen dänischen Schützlingen Gronkjaer und Thomasson belegten das zu deutlich. Die Tabellensituation der auf einen Champions-League-Platz schielenden Schwaben war ebenfalls nicht zufriedenstellend. Dazu noch die Diskrepanz zwischen dem Anspruch des Publikums und dem unattraktiven defensiven Catenaccio des erfolgreichsten Vereinstrainers weltweit – das geht langfristig kaum gut. Auch Co-Trainer und Dolmetscher Andreas Brehme wird den Verein verlassen. Als Nachfolger ist der zuletzt in Schalke abgesetzte Ralf Rangnick im Gespräch. “Trapp” ist damit der neunte Coach der seine Position vorzeitig aufgeben musste. […]