Hauptsache dagegen

25. April 2006 | 10:08 von Björn Hornemann

Vorrundenaus - Dogmatiker sind böseBei aller berechtigten Kritik an Kommerzialisierung und Sicherheitsparanoia rund um die WM entsteht der Eindruck, dass der Naturfreundejugend Berlin die Feindbilder ausgehen. „Vorrundenaus 2006 – Deutschland vom Platz fegen“ ist das Motto einer Kampagne der Friedrichshainer Aktivisten, die mit Klischees von einst aus der Bedeutungslosigkeit zu flüchten versuchen.

Fußball schafft einen Raum, in dem zum Beispiel Nationalismus und Sexismus besonders offensiv und aggressiv ausgelebt werden. Bei Fußballspielen ist es selbstverständlich und gesamtgesellschaftlich legitim „für Deutschland“ zu sein.

So sind wir eben. Bierbäuchige Proleten, die ihre reaktionären Vorlieben in den Stadien der Nation ausleben.

Und dass Fußball nichts für Frauen ist, fußballspielende Frauen langweilig anzusehen sind und man als weiblicher Fußballfan nur dann akzeptiert wird, wenn man sich entweder besonders gut mit der Materie auskennt oder besonders wenig an hat, scheint ebenfalls allgemeingültig.

Muss man das verstehen? Vermutlich nur, wenn man seine Jugend auf Friedens- und Anti-Atomkraft-Demos verbracht hat. Schön ist ja, dass wir viele dieser Menschen in etablierten Zirkeln sehen werden, sobald ihre Einkommenssituation dies zulässt. Vermutlich sitzen sie dann in Business-Lounges der Arenen, huldigen dem schnöden Kapital und freuen sich über ihre ausgeprägte politische Korrektheit.

Abgesehen davon ist die Kritik am angeblichen Sexismus so aktuell wie das C-Netz. Das weibliche Anhänger einen stark wachsenden Anteil am zahlenden Publikum ausmachen und das nicht nur als Anhängsel ihrer chauvinistischen Beherrscher, scheinen die Kämpfer für eine bessere Welt irgendwie verpasst zu haben. Der Slogan „Deutschland vom Platz fegen“ wirkt jedenfalls irgendwie niedlich 80er antiquiert.

Gefunden via finale.blogsport.de.

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6 Kommentare zu “Hauptsache dagegen”

  1. clawier behauptet:

    So sind wir eben. Bierbäuchige Proleten, die ihre reaktionären Vorlieben in den Stadien der Nation ausleben versus blinder Randale am 1. Mai oder zu anderen Anlässen oder einfach mal wieder Aufmerksamkeit durch plumpes Aufspringen auf den WM-Zug. Schade, denn mit Themen wie Nationalismus oder Sexismus in der Gesellschaft sollte man sich auseinandersetzen. Aber irgendwie: anders….

  2. Ein chauvinistischer Beherrscher behauptet:

    Hauptsache, Brasilien bleibt lange dabei

  3. mike behauptet:

    die frage ist ja vielmehr, wo nationalismus anfängt und sein nationalteam zu supporten gehört für mich nicht dazu, ganz abgesehen davon nervt es mich massiv mich dafür rechtfertigen zu müssen dass ich gerne und ohne gewissensbisse in diesem land lebe.

  4. Jörg behauptet:

    Sicherlich ist Kritik an der kommezialisierng der WM berechtigt, da schliesse ich mich an, aber den Vorwurf des Nationalismus kan ich nicht gelten lassen – denn hier wird eindeutig Nationalismus und Patriotismus verwechselt -bzw. gleichgesetzt – ich denke, uns allen würde es wirtschaftlich wesentlich besser gehen, wenn deutsche Firmen etwas patriotischer sein würden – ich persönlich bezeichne mich in vielerlei hinsicht als patriotisch – als Lokalpatriot für meine Heimatstadt Dortmund, in der ich übrigens durch die WM mit vielen interessanten Menschen aus vielen verschiedenen Nationen zusammen getroffen bin und eigentlich alle sehr freundlich und friedlih gewesen sind – was mich über den gemeinhin bekannten nationalen Patriotismus zum kontinentalen Patriotismus führt- ich bin stolz, Europäer zu sein und in einem Land der EU zu leben, ein Teil davon zu sein…. es ist wohl nur den wenigsten bewusst, daß dies etwas einmaliges in der Weltgeschchte ist, was es zuvor noch nie gegeben hat – ein friedlicher Staatenverbund über Naionalgrenzen hinaus – noch sehr fragil, aber mit dem Potential etwas grösseres und stärkeres zu werden – und das auf firedlichem Weg… um vielleicht eines Tages als Modell für eine weiter gedachte Union zu fungieren, bis nicht ich, aber vieleicht andere einen planetaren Patriotismus entwickeln und dann einfach nur stolz sind, Mensch zu sein und damit in der Lage, wirkliches Zusammengehörigkeitsgefühl und damit die Grundlage für wirklichen Frieden zu schaffen…. und das dies möglich ist, das habe ich auf der WM-Veranstaltung hier in Dortmund gespürt – auch wenn es „nur“ der Fussball des Auslöse war – aber jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt…

  5. Max behauptet:

    Ich könnte jetzt versuchen mich ernsthaft mit eurem Gebrabbel auseinanderzusetzen, aber erstmal gibt’s hier ja nicht wirklich die ernsthafte Diskussionsebene und zweitens ist mir meine Zeit dafür zu schade. Ein bisschen Rumpöbeln, damit die Denkenden unter den Lesenden ein paar neue Ideen haben ist es mir grad noch Wert.

    Mike: „ganz abgesehen davon nervt es mich massiv mich dafür rechtfertigen zu müssen dass ich gerne und ohne gewissensbisse in diesem land lebe.“
    Ja tatsächlich nervig… ich will auch nicht gestört werden, wenn ich gerade fernsehe und diese ganzen „Armen“ von überall was von meinem Reichtum wollen. Schließlich habe ich ja hart dafür gearbeitet, dass meine Vorfahren mit ihren Firmen ihr Kapital durch Zwangsarbeit (z.B. in der NS-Zeit oder in Kolonien) aufgebaut haben.
    Und was hat Deutschland denn damit zu tun, dass deutsche Truppen im Kongo deutsche Koltanminen verteidigen sollen?

    „ich bin stolz, Europäer zu sein und in einem Land der EU zu leben, ein Teil davon zu sein….“
    Ich bin stolz darauf ein Teil von einem GROSSEN Reich zu sein. Von etwas Mächtigem, dem andere nicht angehören. Ich bin stolz darauf etwas besseres zu sein, weil ich hier geboren wurde…
    Ich bin vor allem auch stolz darauf, dass wir den afrikanischen Kontinent ausbeuten und Kriege finanzieren und daraus resultierende Flüchtlinge vor unseren Küsten ertrinken.
    abgesehen davon:
    http://www.burks.de/forum/phpBB2/viewtopic.php?p=30442

    „Abgesehen davon ist die Kritik am angeblichen Sexismus so aktuell wie das C-Netz. Das weibliche Anhänger einen stark wachsenden Anteil am zahlenden Publikum ausmachen“
    Es ist einfach nicht mehr zeitgemäß Kriege zu kritisieren. So langsam sollten wir uns doch daran gewöhnt haben, dass Menschen erschossen werden. Und Ausserdem sterben die Menschen jetzt ja auch nicht mehr in Europa, sondern irgendwo anders…

    Dass „immer mehr“ (guckt auch mal den wahnsinnigen Anteil von Frauen unter den Fans an!!!) Frauen Fussball gucken heisst natürlich auch, dass die jetzt nicht mehr argwöhnisch angeglotzt werden. Jetzt haben wir wirklich alle verstanden dass „spielen wie ein Mädchen“ ganz schön diskriminierend ist. Und jetzt fragen wir auch nicht mehr „Kannst du mir mal die Abseits-Regel erklären?“ wenn ’ne Frau sagt, dass sie Fussball mag.

    Und Weltbürgertum finde ich ja tatsächlich auch ernsthaft gut, die Identifikation mit einzelnen Staaten ist da aber (und das sollte nicht schwer zu verstehen sein) ein ziemlicher Hinderungsgrund. Und dass der Staatenbund friedlich sei, ist ja nun auch etwas sehr euphemistisch, wenn wir uns die letzten Kriegsbeteiligungen ansehen. Ausserdem bräuchten wir vielleicht auch noch mehr als „Abwesenheit von militärischen Auseinandersetzungen in Europa“ um von Frieden sprechen zu können, aber das verwechseln ja auch die Medien mal ganz gern…

  6. Björn Hornemann behauptet:

    Schade, daß Du in Deinem Post keine funktionierende Adresse angegeben hast, ansonsten würde ich Dir privat antworten. Ist auch eine sehr angemessene Art der Diskussion, sich selber auf den Gutmenschensockel zu stellen („Ich könnte jetzt versuchen mich ernsthaft mit eurem Gebrabbel auseinanderzusetzen, aber erstmal gibt’s hier ja nicht wirklich die ernsthafte Diskussionsebene und zweitens ist mir meine Zeit dafür zu schade.“) glaube allerdings, daß man jemanden, der auf websites mit RAF-propaganda verweist den schuss nicht mehr gehört hat *g*