Stillstand ist Rückschritt – Klinsmann hält an Peters fest

06. Februar 2006 | 16:34 von Björn Hornemann

Jürgen Klinsmann hält an Bernhard Peters festMan mag von der positiven Dar- und Einstellung von Jürgen Klinsmann halten was man will, mit seinen unkonventionellen Methoden hat der Teamchef der Nationalmannschaft viel im Umfeld des DFB verändert. Zu lange waren die Verbands-Funktionäre in alten Strukturen gefangen, somit trugen sie zähneknirschend viele der neuen Ansätze von Klinsmann mit. Schon die Diskussion um Mental- und Fitnesstrainer und den Wohnort des Teamchefs sorgte für absurde Diskussionen in den Medien. Dabei entsteht zwangsläufig der Eindruck, die Branche fürchte den Erfolg des schwäbischen Quereinsteigers.

Nun hat sich Klinsmann für den Posten des technischen Direktors den aktuellen Nationaltrainer der Hockey-Nationalmannschaft Bernhard Peters ausgesucht. Für Peters spricht vor allem, das er ohne Scheuklappen Strukturen und Methoden in Verband und Vereinen durchforsten kann, ohne dabei Rücksicht auf alte Seilschaften und Verbindungen nehmen zu müssen. Nach den Vorstellungen von Klinsmann und Bierhoff soll Peters den Kontakt zu den Landesverbänden halten, Trainingsinhalte überprüfen und die Talentsichtung intensivieren. Auch an ein Leistungszentrum nach französischem Vorbild wird beim Führunstrio der Nationalelf gedacht.

Ursprünglich sollten die (zugegebenermaßen unkonventionellen) Ideen dem DFB in einer Vorstandssitzung am kommenden Mittwoch präsentiert werden. Durch eine Indeskretion sind diese allerdings an die Öffentlichkeit gelangt, schon regt sich Unmut im DFB-Vorstand. Dort wird der ehemalige Dortmunder Coach Matthias Sammer für den Posten favorisiert.

Typisch für die herrschende Konsensgesellschaft erscheint der Vorschlag von DFB-Boss Theo Zwanziger. Dieser bevorzugt eine Doppellösung, was angesichts der Außenwirkung nicht verwundert. Entscheidet er pro Klinsmann brüskiert er den Großteil des Vorstandes, entscheidet er pro Sammer, schwächt er den Teamchef – vor der WM ein psychologischer Super-GAU über den die versammelte Sportpresse wie die Hyänen herfallen dürfte.
Prinzipiell muss man sich fragen, warum im Fußball mit bewährten aber auch alten Methoden vorgegangen wird und nicht auch mit neuen Erkenntnissen aus anderen Sportarten. Ob sich manche Vorstandsmitglieder des DFB in ihrem Frankfurter Elfenbeinturm diese Frage stellen erscheint zweifelhaft. Hauptsache man arbeitet mit bekannten Personal das der Nürnberger Sportpostille und meckernden Pensionären in den Stadion-Oberrängen vermittelbar erscheint. Wie die Geschichte ausgeht dürfen wir dann vermutlich am Mittwochmorgen in Deutschlands auflagenstärkster Boulevard-Publikation lesen.

» Bildquelle: Wikipedia

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1 Kommentar zu “Stillstand ist Rückschritt – Klinsmann hält an Peters fest”

  1. blog.fanfaktor.de - das fußball-blog » Blog Archive » Reformunfähigkeit am Beispiel Scholl. behauptet:

    […] Als Jürgen Klinsmann am 26. Juli 2004 sein Amt als Coach der Nationalmannschaft antrat, schien er der Messias des Deutschen Fussballs zu sein. Reformen sollten seine Ära begleiten, man wünschte sich den Umbruch. 2006 nimmt die Neuausrichtung in Form von neuen Trainingsmethoden, Offensiv-Fußball und der Versetzung Oliver Kahns auf die Ersatzbank Gestalt an. Der einst jubelnde Boulevard empört sich und entdeckt Klinsmann als neues Feindbild. Parallel kommen all jene aus der medialen Deckung, die mit dem polarisierenden Klinsmann im Lauf seiner Karriere Konflikte austragen mussten – Matthäus, Effenberg, Breitner. Höhepunkt: Die brüskierten Funktionäre im DFB setzten Klinsmann mit Matthias Sammer einen Aufpasser und vermutlichen Nachfolger zur Seite. Das man damit die Authorität des Bundestrainers massiv beschädigt hat um die eigenen Pfründe zu sichern, zeugt von der Kurzsichtigkeit und Reformunfähigkeit im Verband. […]