Prognose: Wolfsburg und Augenthaler werden nicht glücklich

14. Januar 2006 | 17:19 von Björn Hornemann

Augenthaler VFL WolfsburgIn jeder Winterpause ist es dasselbe Spiel. Die Vereine ziehen Bilanz, wenn die gesteckten Ziele nicht erreicht wurden wird eben reagiert. Man feuert den Trainer, tätigt (zuweilen von Panik motivierte) Transfers in der Hoffnung die Qualität der Mannschaft doch noch zu erhöhen und mit einem blauen Auge aus der Saison zu kommen. Der VFL Wolfsburg durchlebt in diesen Tagen genau diese Mechanismen des Marktes.

Die Leiden sind allerdings hausgemacht und resultieren aus einer fehlgeleiteten Entwicklung: den völlig überzogenen Planungen und Ansprüchen der Vereinsführung und des Hauptgeldgebers, dem Volkswagen-Konzern. Mit 130.000 Einwohnern bietet die Stadt dem Verein kaum das notwendige Potential, sich mittelfristig für die Champions League zu qualifizieren. Selbst als der VFL zu Beginn der vergangenen Saison für einige Spieltage Spitzenreiter war, verirrten sich kaum mehr als 18-19.000 Zuschauer zu den Heimspielen. Wolfsburg ist der wohl einzige Verein der kein ausverkauftes Stadion vorweisen kann, wenn die Münchener Bayern anrücken. Die Atmosphäre gleicht einem Kühlkasten.
Gerade die finanzielle und organisatorische Abhängigkeit vom Stammwerk Volkswagen ist für den Verein von Nachteil. Wie schon bei Bayer Leverkusen wird der Club vor allem als Bannerträger des Mutterkonzerns betrachtet, der bitteschön mit jährlichen Zuwendungen in zweistelliger Millionenhöhe sofort in die Top5 der Liga vorstossen soll.

Somit kaufte man in den vergangenen Jahren einen Kader mit durchaus ambitionierten Spielern zusammen. Schade nur: Fast alle Spieler agieren deutlich unter ihren Fähigkeiten. Beispiel D´Alessandro: Vom argentinischen Club River Plate gekommen, war der 23-jährige der Hoffnungsträger des VFL. Der Euphorie folgte die Ernüchterung. Keiner der drei letzten Trainer kam mit der eigenwilligen Diva zurecht. Top-Spieler suchen das Weite, genervt von der Monokultur der Provinz und scheinen Transfers zu anderen Vereinen nicht abgeneigt. Eine authentische Symbolfigur wie Barbarez (HSV), Klose (Werder) oder Enke (Hannover 96) sucht man hier vergebens.

Selbst die Zweitliga-Konkurrenten aus dem nahen Braunschweig bieten streckenweise attraktiveren Fußball als der VFL in der laufenden Saison. Teamspirit? Fehlanzeige. Im spanischen Trainingslager wurden die Sitzplätze zum Essen verlost, damit Gruppenbildung schon im Vorfeld verhindert wird.

Ob der in der Winterpause verpflichtete Klaus Augenthaler den Werksclub aus dem grauen Mittelfeld und mittelfristig in das internationale Geschäft führen wird, bleibt mehr als zweifelhaft. Der Standort Wolfsburg mag für einen Zweitliga-Club taugen, doch in der Bundesliga wirkt der Verein so unauthentisch wie die Stadt selbst. Am Reissbrett entworfen, entstand Wolfsburg ab 1938 einst als „Stadt des KDF-Wagens„. Am Reissbrett entstand anscheinend auch die Mannschaft. Augenthaler darf nun als Feuerwehrmann den Scherbenhaufen zusammenfegen, der ihm vom Aufsichtsrat, Vorgänger Fach und dem gefeuerten Manager Strunz hinterlassen wurde. Hoffen wir das die Nachbarn aus Braunschweig langfristig aufsteigen. Dann gibts wenigstens ein interessantes Derby im süd-östlichen Niedersachsen. Vielleicht wird dann auch mal das Stadion voll.

Du kannst die Kommentare zu diesem Beitrag über den RSS 2.0-Feed verfolgen. Kommentare und Trackbacks sind nicht möglich.

6 Kommentare zu “Prognose: Wolfsburg und Augenthaler werden nicht glücklich”

  1. Bundesliga-Blog behauptet:

    VfL Wolfsburg…

    Björn, alias Stan Libuda von Fanfaktor-Blog nimmt sich den VfL Wolfsburg vor und lässt bei seiner Analyse und Progose für den VfL Wolfsburg kein gutes Haar an dem Verein des VW-Konzerns. Ich sehe das ähnlich und räume dem VfL W…

  2. Dieter Eilts behauptet:

    Wenn ich das mal so formulieren darf, aber diese Prognose ist alles andere als Mutig… Ich glaub bei den Wettanbietern kriegste dafür für 1 Euro 1,20 wieder raus …

  3. Stan Libuda behauptet:

    geht ja nicht um die tatsache ob das mutig ist oder nicht sondern vielmehr um die allgemeine entwicklung bei den kollegen aus der stadt des kdf-wagens. wenn du eine mutige prognose hören willst dann prophezeie ich für die rückrunde den absturz des HSV ;)

  4. Erwin Kostedde behauptet:

    Die Frage ist ja eigentlich nur, ob überhaupt jemand mit Wolfsburg glücklich werden könnte. Mal ernsthaft, hatte nicht unbedingt daran geglaubt, dass ich meinen 50 €-Einsatz verdoppeln würde, als ich auf den VfL als Championsleague-Teilnehmer gesetzt habe (war doch mit Fach und Strunz eine totsichere Sache ;-)) ) Die Lage scheint sich mit der neuen Konstellation nicht gerade verbessert zu haben. Vielleicht kommt so ein Derby mit den Löwen schneller, als manch ein Wolfsburger denkt …

  5. blog.fanfaktor.de - das fußball-blog » Blog Archive » Ärmelkanal statt Niederrhein: D´Alessandro geht nach Portsmouth behauptet:

    […] Fanfaktor ist ein prophetisches Medium. Hatten wir nicht vor 2 Wochen im Zusammenhang mit dem VFL Wolfsburg über wechselwillige Top-Spieler gesprochen? Pünktlich zum Ende der Transferperiode haben sich Wolfsburg und der Premier League-Club FC Portsmouth offensichtlich geeignigt. Demnach soll der erst 2003 für 9 Millionen EUR eingekaufte Argentinier auf Leihbasis zum Tabellenletzten der Premier League wechseln. Abstiegskampf in der Premier League ist immer noch spannender als das Mittelmaß der Bundesliga. Beide Clubs haben das Leihgeschäft übrigens noch nicht bestätigt, der Grad der allgemeinen Berichterstattung dürfte allerdings für einen relativ großen Wahrheitsgehalt der Meldung sprechen. An D´Alessandro war übrigens auch Borussia Mönchengladbach stark interessiert, allerdings waren die Fohlen nicht bereit 7 Millionen EUR für den Mittelfeldspieler hinzulegen. Unter Umständen verliert der VFL nach Ablauf der Rückrunde auch noch Juan Menseguez, der mit River Plate Buenos Aires aus seiner argentinischen Heimat in Verbindung gebracht wird. […]

  6. blog.fanfaktor.de - das fußball-blog » Blog Archive » Rückschau: Der 28. Spieltag behauptet:

    […] Noch nicht aufgegeben hat sich dankenswerterweise der 1. FC Köln. 8 Punkte Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz haben die Rheinländer nach dem 2:2 beim indisponierten Tabellenführer Bayern München. Olli Kahn spielte angeschlagen und tat sich damit keinen Gefallen, war er doch maßgeblich am zweiten Treffer der Kölner beteiligt. In einer Phase, wo sich die halbe Nation an der Torwartfrage totdiskutiert, ist das wenig hilfreich. Das Kellerduell Duisburg gegen Wolfsburg hinterliess zwei Verlierer. Nach dem 1:1 Remis war auf beiden Seiten Enttäuschung zu verspüren. Duisburg verspielte den sicheren Dreier noch in der letzten Minute und verpasste damit die Chance sich auf Platz 15 heranzukämpfen, Wolfsburg konnte sich nicht entscheidend von den Abstiegsrängen absetzen und bot noch dazu eine indiskutable Leistung. Die Defizite der Hinrunde sind auch unter Augenthaler noch nicht völlig abgestellt worden und ob der Vfl wirklich den Klassenerhalt schafft, hängt eher von den Ergebnissen von Lautern und Duisburg ab sollte sich die Moral der Mannschaft nicht entscheidend verändern. Frankfurt verlor 0:1 gegen die verletzungsgeplagten Bremer, Gladbach schlägt die Namensvettern aus Dortmund,  Marcelinho feierte beim 2:0 seiner Hertha gegen den Vfb Stuttgart seine Wiederauferstehung, Leverkusen watschte Kaiserslautern mit 5:1 ab und der HSV hat mit dem 2:0 bei Schalke 04 Rang zwei zurückerobert. […]