Die nationale Bedeutung der Wohnortfrage.

08. März 2006 | 11:30 von Björn Hornemann

Klinsmann im Fokus der MedienNach dem 1:4 der Nationalmannschaft offenbart sich in den Medien derzeit eine interessante Reaktion. Aus allen Ecken kommen Hinterbänkler aus dem Bundestag und natürlich Funktionäre des DFB, um im allgemeinen Trend des Schwaben-Bashings ordentlich auf die Sozialneid-Schiene zu setzen.

Man kann sich schon fragen, ob dieses Land derzeit von keinen anderen Problemen gebeutelt wird wenn die Wohnortfrage des Teamchefs Titelseiten und Nachrichtenblöcke füllt. Auf den kompromisslosen Reformkurs von Klinsmann folgt der Reflex einer Nation von ca. 35 Millionen Bundestrainern. Selbst Spiegel-Online begibt sich auf das Niveau der BILD und beteiligt sich an der öffentlichen Demontage von Klinsmann. Äußerst enttäuschend war vor allem auch der Auftritt von 11freunde Chefredaktreur Phillip Köster bei N24 (dessen Magazin neigt üblicherweise zu einer ausgewogeneren Meinung), der (aus eventueller Unerfahrenheit im Umgang mit Massenmedien?) in die gleiche Kerbe haut. Flugkosten aus den Staaten nach Deutschland werden zum Thema gemacht, ein relativ bedeutungsloser Workshop zur Pflichtveranstaltung deklariert. Glaubt man der aktuellen Berichterstattung, so legt Klinsmann in Kalifornien die Beine hoch und wartet fröhlich auf bessere Zeiten. Für die deutsche Mentalität sind die Begriffe „Arbeit“ und „Kalifornien“ anscheinend nicht in Verbindung zu bringen.

Vielleicht kam Klinsmann zu früh für die verkrusteten Strukturen der hiesigen Fussballverbände und es stellt sich die Frage, ob Verband und Umfeld überhaupt reformfähig sind. Fast schon ein Spiegelbild einer veränderungsfeindlichen Nation von Kleingeistern. Um mit den Worten unserer blog-internen Soccer-Koryphäe Hrubesch zu sprechen: „Lasst den Mann in Ruhe arbeiten“.

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8 Kommentare zu “Die nationale Bedeutung der Wohnortfrage.”

  1. finale :: Deutsche Mentälität :: März :: 2006 behauptet:

    […] Stan Libuda ist hie von 11freunde-Chef Philipp Köster wegen seiner Meinung nach unrechtmäßiger Klinsmann-Kritik enttäuscht. Hübsches Fazit: Für die deutsche Mentalität sind die Begriffe “Arbeit” und “Kalifornien” anscheinend nicht in Verbindung zu bringen. […]

  2. Andi Herzog behauptet:

    Hmm, natürlich ist die Diskussion albern. Aber schon am Anfang gab es die ersten kritischen Stimmen zu der Regelung, dass Klinsmann seine Amtsgeschäfte von den USA aus führt. Das Problem an der Sache ist einfach, dass der Posten des Bundestrainers nicht nur von erzielten Ergebnissen abhängt, sondern auch von der richtigen Öffentlichkeitsarbeit. Und da hätte Klinsmann schon ahnen können, dass es bei solch einer Niederlage wie letzte Woche richtig auf die Mütze gibt. Bei der breiten Öffentlichkeit bleibt halt hängen, dass er sich verkrümelt. Das er seine Arbeit von Kalifornien aus erledigen kann, ist da nur zweitrangig.

  3. Dieter Eilts behauptet:

    Natürlich hat dieses Land wichtigere Probleme als der Wohnort von Klinsi. Und natürlich brauchen wir nicht über hinterbänkler Politiker reden, jedes Wort ist da zuviel der Ehre.

    Aber war es nicht klar das es so kommen wird ??

    Wir reden hier immerhin über Fußball. Der Ersatzreligion Nr. 1 in diesem Land. Und aus sicherer Quelle weiß ich das auch Herr Libuda einer von 35 Mio. Nationaltrainern ist der es besser weiß.

    Aber geht es nur darum das er die meiste Zeit in Kalifornien abhängt ? Ich denke nicht !

    JK hatte nach kurzer Skepsis fast schon Prophetenstatus in Deutschland, als er nach Rudis Rentnergang mal neue junge Spieler testete. Was haben wir alle gejubelt als auf einmal die Hamanns, Wörns, Ramelows, Nowotnys und Zieges von der Bildfläche verschwunden waren. 1 1/2 Jahre hat man sich dann die Gesichtsveränderung des Teams angeguckt. Und spätestens nach dem Spiel gegen Italien muß man sich eingestehen, es funktioniert so nicht wie er es geplant hat. Dazu noch die überzeugenden Spiele gegen China, Slowenien oder Slowakei, und schieß mich tot. Jetzt sieht man auf dem gesamten Spielfeld nur Spieler, die entweder a ) keine Spielpraxis haben oder b ) aus Krisenclubs kommen oder selber eine krise haben. Da sollte man jedenfalls mal drüber nachdenken ob man nicht was ändern sollte.

    Mir als einer von 35 Mio. Nationaltrainer geht es zum beispiel tierisch auf den Sack das Klinsmann seine Blockbildung durchziehen will obwohl von dem Bayern Block im Mittelfeld 2 von 3 nur unregelmäßig spielen und sehr selten überzeugen. Zeitgleich gibts aber einen weit aus besseren Block in deutschland, wovon einer beim JK dauernd auf der Bank sitzt und der andere gar nicht mehr berücksichtigt wird. Auch auf der LV Position spielt derzeit einer ganz groß auf. Gesetzt ist aber einer der nach einem Kreuzbandriss höchstens 5 komplette Spiele gespielt hat und dabei noch nicht mal überzeugt hat. Oder gehen wir in die Abwehr. Da spielt jemand der 2 Jahre pausieren musste und selbst in einer Zeit in der nicht mal sicher war das jemals wieder spielen könne, wurde er als Messias angepriesen. Er spielt jetzt seit Anfang der Saison und hat ebenfalls noch kein wirklich überzeugendes Spiel abgeliefert. Wahrscheinlich wird er bis zur WM auch nicht mehr viele machen, da er seit der Rückrunde auf der Bank sitzt. Das ein Robert Huth häufiger als Stürmer eingewechselt anstatt als Abwehrspieler sagt dann wohl auch alles über die Spielpraxis vom Huth. Auch hier hätte Werder einen in Petto der eine weitaus bessere Form hat. Ich will weiß gott nicht Fahrenhorst in die Nationalelf schreiben, da ich selber nicht sehr überzeugt von ihm bin. Aber er hats auf jeden Fall mehr verdient als alle Huths, Metzelders und Sinkewitz zusammen.

    Kurz gesagt, Klinsmann verbaut sich gerade alle seine Vorschusslorbeeren damit das er stur an einem Konzept festhält was zum scheitern verurteilt ist. Wenn es das Ziel ist höchstens ins Viertelfinale zu kommen, dann reichts vielleicht. Aber laut JK ist das Ziel ja der Titel. Und das dieses Ziel äußert unrealistisch ist mit diesem Team, welches aus Bankdrückern und Formschwachen Spielern besteht sieht hoffentlich jeder.

    Das er dann in Zeiten von starken Gegenwind den Workshop sausen lässt und als einziger Trainer neben Guus Hiddink nicht anwesend ist ( der hat ja auch eine Entschuldigung, er musste ja mit PSV in der CL ran ) ist wirklich eine sehr unsensible Reaktion. Und da muß ich Franz Kaiser leider recht geben, er hat ja wirklich nicht viele Pflichttermine da kann er sich als Gastgeber gerne mal persönlich blicken lassen. Ich habe nach anfänglicher Skepsis vom JK eine hohe Meinung gehabt, aber die hat er gründlichst revidiert. Ich hoffe das nach der versauten WM Schluß ist mit dem Eiertanz und Christoph Daum Trainer wird.

  4. Manni der Libero behauptet:

    Nee, Ottmar Hitzfeld. :)

  5. Andi Herzog behauptet:

    @ Dieter Eilts: Dem ist kaum was hinzuzufügen. Wie ich auch schon angedeutet habe, ist zum Beispiel bei dem Workshop gar nicht entscheidend, wie wichtig der ist. Es wäre einfach eine Geste von Klinsmann gewesen, daran teilzunehmen. Gerade mit Blick auf die WM.
    Ich sehe leichte Parallelen zu Völler. Auch er war am Anfang der Messias, kam über die Playoffs gegen die Ukraine zur WM 2002, hier rutscht Deutschland ins Finale. Da wurde einiges übertüncht, was sich dann auch in der folgenden EM-Quali und in dem EM in Portugal zeigte. Ich denke sogar, dass die Deutschen eine gute WM spielen könnten, getragen von der Euphorie im eigenen Land. Aber dann sehe ich wieder schwarz für die EM-Quali 2008. Hier kann man dann wieder gegen kleine Gegner schlecht aussehen, der Druck steigt.
    Auch skeptisch war ich, als Klinsmann den Peters als Sportdirektor durchdrücken wollte. Grundsätzlich ist es ja nicht schlecht, etwas frischen Wind in den DFB zu bringen. Aber ich fand es immer komisch, dass er einen Sportdirektor bis 2010 durchdrücken wollte, ohne selber zu sagen, was bei ihm nach der WM passieren würde. Natürlich hängt Klinsis Zukunft von der WM ab, aber ich kann doch nicht versuchen, alles nach meinen Wünschen umzugestalten, um dann ein halbes Jahr später Adieu zu sagen.

  6. gunter behauptet:

    andererseits sollte man nicht ausser acht lassen das sich klinsmann von den letzten 5 wochen alleine 3 in deutschland aufgehalten hat. ich denke durchaus das er seine pflichten wahrnimmt und halte dieses theater für absolut überbewertet.

  7. Heinzi behauptet:

    Kritik an der WM2006 ist untersagt!
    D.h.:
    Die Kartenvergabe ist prima(Keine VISA Karte,keine Eintrittskarte).
    Die Sicherheitsmaßnahmen sind prima(Alle Bundesbürger und vor allem Touristen sind pauschal Terroristen).
    Der Bundestrainer ist prima(Kann keine Kritik vertragen,benimmt sich wie Brot).
    Der DFB ist prima(Verbietet `mögliche`Plakate gegen Klinsmann und andere im Stadion).

    Was ich besonders gut finde: WM2006 sehe ich mir nicht an.
    Vielen Dank an alle, die mir diese Entscheidung abgenommen haben.