Der Pate: „Big Luciano“ Moggi

17. Mai 2006 | 11:17 von Björn Hornemann

Luciano Moggi

Wir hatten Hoyzer, Italien hat Moggi. Vergleicht man die Fälle, wirkt unser Experte für kroatische Wettrituale allerdings wie ein Straßendealer im Vergleich zu Al Capone. Der Medientenor des Tages: „Big Luciano“ brach im Verhör mit der Napolitanischen Staatsanwaltschaft in Tränen aus. Welch Drama, welch Pein. Und doch irgendwie typisch für unser Klischee von den Stiefelbewohnern. Nach und nach kristallisiert sich das Ausmaß des Serie A-Skandals heraus. Schiedsrichter-Briefings vor Juve-Matches, Nationalspieler die angeblich illegale Wetten abgeschlossen haben, ein Verbandspräsident der ad-hoc zurücktritt, ein Sportminister der bei „Big Luciano“ um Referee-Unterstützung für seinen Lieblingsclub bittet, ein FIFA-Schiedsrichter als einer der Köpfe dieses Systems.

Man stelle sich vor, Wolfgang Schäuble ersucht Eugen Strigel um Support für den SC Freiburg. Surreale Zustände. Moggi gab im Verhör zu Protokoll, er habe alles für Juventus Turin getan, um im weiteren Verlauf seine Unschuld zu beteuern. Juve hat zwar (mit seiner Hilfe?) den Titel gewonnen, doch droht dem Team des Agnelli-Clans nun die Aberkennung des Titels, der Zwangsabstieg und damit die Disqualifikation zur Champions League. Käme in etwa dem Zwangsabstieg des FC Bayern in die 2. Liga gleich. Für Turin, das derzeit ein neues Stadion errichtet, wäre dies der finanzielle Super-GAU. Italienische Medien kolportieren Mindereinnahmen von 300 Millionen EUR.

Ungünstiger könnte der Zeitpunkt der Ermittlungen kaum sein. Italiens Nationalmannschaft beginnt mit der WM-Vorbereitung, doch zwei Nationalspieler (Torwart Buffon und Stürmer Iaquinta) sehen sich mit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft konfrontiert. Das „Big Luciano“ einen Schiedsrichter in seiner Kabine eingeschlossen haben soll, weil dieser seinen Job auf angemessene Weise erledigt hat, gerät da schon fast zur netten Randanekdote.

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5 Kommentare zu “Der Pate: „Big Luciano“ Moggi”

  1. Stefan (Weltsicht Südtribüne) behauptet:

    Soll man ja gar nicht glauben, dass einer, der aussieht wie der weise Yoda so schlimme Sachen macht…

  2. Jake behauptet:

    Liebes blog.fankfaktor.de-Team,

    Nur eine kleine Frage an Euch. Eure Seite ist gut. Nur wollte ich gern wissen, warum Ihr meinen „Bericht aus Italien“ in eure Seite gelinkt habt. Nicht, dass ich das schlecht fände, nein das nicht, nur hätte ich gern gewusst warum.
    Ach so da wäre ja noch zu wissen welcher Link. Spaces.msn.com/Jakemit .
    Also bis dahin, bleibt cool, ist ja nicht so schlimm, wollte ja nur wissen warum.
    Bis denn.
    Jake

  3. Stan Libuda behauptet:

    Wir fanden ihn lesenswert ;)

  4. blog.fanfaktor.de - das fußball-blog » Zwangsabstieg für Juve? behauptet:

    […] Glaubt man den Berichten italienischer Medien, droht der Zwangsabstieg von Juventus Turin in die dritte Liga, sowie die Aberkennung der letzten zwei Meistertitel. Als neuer Trainer von Juve wird Didier Deschamps gehandelt. Seit Wochen wird gegen den Verein und dessen ehemaligen Angestellten Luciano Moggi wegen des Verdachtes auf Spielmanipulation ermittelt. Mittlerweile weitet sich der Skandal auch auf weitere Vereine aus. Betroffen ist auch der AC Mailand. Dessen Manager Adriano Galliani hat offenbar versucht “eigene” Schiedsrichter zu aquirieren. Ob dem AC angesichts seines prominenten Besitzers ebenfalls der Abstieg droht, darf allerdings bezweifelt werden. Weiterhin sollen Lazio Rom und Florenz sich Schiedsrichterentscheidungen erkauft haben. […]