Dämon Europaliga?

06. April 2006 | 09:51 von Björn Hornemann

G14 fordert EuropaligaDem französischen Sportmagazin „France Football“ liegt angeblich ein „geheimes“ Strategiepapier der sogenannten G14 vor. Hinter diesem Kürzel verbirgt sich der Zusammenschluss der angeblich wichtigsten Europäischen Vereine (Wobei die Frage erlaubt sein muss, was Leverkusen und Dortmund aktuell dort zu suchen haben?). Im besagten Strategiepapier wird eine neue „Europaliga“ skizziert, die nicht von der UEFA, sondern (ähnlich der premierleague) von den Vereinen selbst abgewickelt wird. Selbiges Papier beklagt einen Qualitätsverlust der Pokalwettbewerbe durch die Öffnung des Ostblocks und der damit verbundenen größeren Teilnehmerzahl osteuropäischer Clubs.

Durchaus polarisierende Statements, es bleibt allerdings die Frage offen wie so ein Papier an die Öffentlichkeit gelangen konnte. Die Möglichkeit, dass hier ein Versuchsballon gestartet werden sollte, besteht durchaus. Unabhängig vom Gezeter der Verbände FIFA, UEFA und DFB stellen sich ganz pragmatische Fragen:

Schon heute bemängeln die Top-Clubs die Belastung von Spielern durch die Abstellung der Nationalmannschaften. Durch die Einführung einer Europaliga müssten jedoch durchweg englische Wochen veranstaltet werden, sofern die Vereine weiterhin an den nationalen Wettbewerben teilnehmen wollen.

Ob eine Europaliga überhaupt Akzeptanz bei Medien und Anhängern findet bleibt fraglich. Bisher ist der Tenor eher negativ. Ein geklonter Wettbewerb besitzt eben nicht die Authentizität einer seit Jahrzehnten etablierten nationalen Liga. Ob der Bedarf nach solchen Wettbewerben überhaupt besteht, erscheint derzeit mehr als fraglich. Ob Fans bereit sind, zum Auswärtsspiel von Barcelona nach Trondheim zu jetten, ist ebenfalls eine interessante Frage.

Zuletzt wäre da noch der Aspekt des „wilden Wettbewerbs“. Eine Europaliga parallel zur Champions League dürfte die Tür für Verhältnisse öffnen , wie sie beim Boxen herrschen. Schon die vier halbwegs etablierten Box-Verbände verwässern den Wettbewerb und damit auch die Sportart selbst.

Für eine Europaliga spricht derzeit nur eines: Die Aufhebung der derzeitigen Dominanz in den nationalen Ligen. Bayern München beherrscht die Bundesliga, Juve die Seria A und Chelsea die premierleague. Ob die Lösung aber in der Schaffung einer neuen Top-Klasse liegt, bleibt abzuwarten.

Bildquelle: G14.com

Ressourcen: G14 Presskit (deutsch)

Du kannst die Kommentare zu diesem Beitrag über den RSS 2.0-Feed verfolgen. Kommentare und Trackbacks sind nicht möglich.

5 Kommentare zu “Dämon Europaliga?”

  1. olli behauptet:

    Ich denke im Moment findet ein verbissen geführter Machtkampf zwischen der FIFA und den G14 statt. Vor einigen Wochen hatten die ja bereits ein Verfahren (Charleroi) gegen den Weltverband angestrebt um bei Spielerausfälle nach Länderspielen Entschädigung verlangen zu können.
    Die Aktion jetzt könnte man fast als Provokation von Seiten der G14 werten. Besonders ausgereift, da schließe ich mich der Meinung des Autors an, hört sich das mit der Europaliga nicht an.

  2. bernd behauptet:

    u.u. ein druckmittel gegen fifa & uefa, um so mehr mitsprache zu erhalten? kann mir nicht vorstellen, dass die das wirklich installieren wollen.

  3. Andi Herzog behauptet:

    Warum sollten sie das nicht installieren wollen. Zunächst einmal denke ich auch, dass das Ganze nur dazu dient, FIFA und UEFA zu nerven. Aber auf der anderen Seite ergeben sich für die teilnehmenden Vereine auch durchaus Vorteile. Sie gestalten die Liga und können direkt Fernsehverträge aushandeln und Sponsoren für die Liga ansprechen, ohne das die UEFA dazwischensitzt. Dadurch können sie das Geld nach eigenem Gutdünken aufteilen. Dann soll es ja eine (wie ich hörte) geschlossene Veranstaltung sein, es ist kein Auf- oder Abstieg möglich. Für einige Vereine der G14 bedeutet das, man muss sich nicht mehr für die CL qualifizieren und hat so genannte „Planungssicherheit“. Ich bezweifle und hoffe, dass es nicht dazu kommt.

  4. gunter behauptet:

    wenn das eintritt haben wir langfristig eine beliebigkeit à la american football, wo teams einfach den besitzer wechseln und die entsprechenden standorte wechseln. noch sind es gottlob ja nur die spieler :D

  5. Oliver behauptet:

    Ich glaube da nicht wirklich dran. Ich sehe das ähnlich wie meine Vorredner.. Es ist einfach ein nerven der Uefa und der Fifa.

    Und mal ehrlich so sehr ich die Bayern auch verabscheue. Es ist doch irgendwie schön ein konstantes Feindbild zu haben.