Archiv 'Serie A'

Zwangsabstieg für Juve?

22. Juni 2006 | 18:40

MoggiGlaubt man den Berichten italienischer Medien, droht der Zwangsabstieg von Juventus Turin in die dritte Liga, sowie die Aberkennung der letzten zwei Meistertitel. Als neuer Trainer von Juve wird Didier Deschamps gehandelt. Seit Wochen wird gegen den Verein und dessen ehemaligen Angestellten Luciano Moggi wegen des Verdachtes auf Spielmanipulation ermittelt. Mittlerweile weitet sich der Skandal auch auf weitere Vereine aus. Betroffen ist auch der AC Mailand. Dessen Manager Adriano Galliani hat offenbar versucht “eigene” Schiedsrichter zu aquirieren. Ob dem AC angesichts seines prominenten Besitzers ebenfalls der Abstieg droht, darf allerdings bezweifelt werden. Weiterhin sollen Lazio Rom und Florenz sich Schiedsrichterentscheidungen erkauft haben.

Die FAZ schreibt hierzu sehr passend: man braucht eine Menge Phantasie, um sich die Lage für die deutsche Mannschaft etwa so vorzustellen: Bayern München und Werder Bremen stehen vor dem Zwangsabstieg; Uli Hoeneß wird von der Staatsanwaltschaft wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung verfolgt; der DFB hat nur noch ein Notpräsidium; Jürgen Klinsmann steckt tief im Korruptionssumpf, und diverse Nationalspieler wissen nach Verhören vor Gericht, daß sie in ihren Klubs keine Arbeit mehr finden werden. Und wann die Bundesliga nach der WM angepfiffen wird, steht komplett in den Sternen.

Zitat der Woche mit Fabio Capello

30. Mai 2006 | 17:47

“Moggi hat allenfalls oberflächliche Vergehen begangen (…) Juve hat keine Spiele gekauft”

Juventus-Trainer Fabio Capello zu den Vorwürfen im Serie A-Skandal gegen den ehemaligen Sportdirektor “Big Luciano” Moggi. Eine übersichtliche Chronik zu den Ereignissen rund um den Skandal bietet die ARD.

Der Pate: “Big Luciano” Moggi

17. Mai 2006 | 11:17

Luciano Moggi

Wir hatten Hoyzer, Italien hat Moggi. Vergleicht man die Fälle, wirkt unser Experte für kroatische Wettrituale allerdings wie ein Straßendealer im Vergleich zu Al Capone. Der Medientenor des Tages: “Big Luciano” brach im Verhör mit der Napolitanischen Staatsanwaltschaft in Tränen aus. Welch Drama, welch Pein. Und doch irgendwie typisch für unser Klischee von den Stiefelbewohnern. Nach und nach kristallisiert sich das Ausmaß des Serie A-Skandals heraus. Schiedsrichter-Briefings vor Juve-Matches, Nationalspieler die angeblich illegale Wetten abgeschlossen haben, ein Verbandspräsident der ad-hoc zurücktritt, ein Sportminister der bei “Big Luciano” um Referee-Unterstützung für seinen Lieblingsclub bittet, ein FIFA-Schiedsrichter als einer der Köpfe dieses Systems.

Man stelle sich vor, Wolfgang Schäuble ersucht Eugen Strigel um Support für den SC Freiburg. Surreale Zustände. Moggi gab im Verhör zu Protokoll, er habe alles für Juventus Turin getan, um im weiteren Verlauf seine Unschuld zu beteuern. Juve hat zwar (mit seiner Hilfe?) den Titel gewonnen, doch droht dem Team des Agnelli-Clans nun die Aberkennung des Titels, der Zwangsabstieg und damit die Disqualifikation zur Champions League. Käme in etwa dem Zwangsabstieg des FC Bayern in die 2. Liga gleich. Für Turin, das derzeit ein neues Stadion errichtet, wäre dies der finanzielle Super-GAU. Italienische Medien kolportieren Mindereinnahmen von 300 Millionen EUR.

Ungünstiger könnte der Zeitpunkt der Ermittlungen kaum sein. Italiens Nationalmannschaft beginnt mit der WM-Vorbereitung, doch zwei Nationalspieler (Torwart Buffon und Stürmer Iaquinta) sehen sich mit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft konfrontiert. Das “Big Luciano” einen Schiedsrichter in seiner Kabine eingeschlossen haben soll, weil dieser seinen Job auf angemessene Weise erledigt hat, gerät da schon fast zur netten Randanekdote.

Serie A: Schiedsrichter-Skandal in Italien

10. Mai 2006 | 16:45

Massimo de Santis unter BetrugsverdachtRewind! Wir schreiben das Jahr 2005 und der Hoyzer-Skandal bestimmt die Schlagzeilen einer Nation, die derartige Vorgänge schon immer vermutet hat, die Bundesliga aber trotzdem für sakrosant hielt. Schiebung im deutschen Fußball durfte nicht sein. Die Affäre sorgte auch im Ausland für Aufsehen, so schrieb die italienische La Repubblica: “Wetten, Manipulationen, Mafia – ein schwerer Skandal schreibt ausgerechnet vor der WM ein dunkles Kapitel deutscher Fußball-Geschichte.”

Nun wird Italien durch einen eigenen Schiedsrichter-Skandal erschüttert. 5 Schiedsrichter, unter ihnen der für die WM nominierte Massimo de Santis stehen im Verdacht, Absprachen mit Juventus Turin getroffen zu haben. Turins Sportdirektor Moggi soll dem Vizepräsidenten des UEFA-Schiedsrichterausschusses Pierluigi Pairetto Schiedsrichter für Juve-Spiele vorgeschlagen haben. Pairetto wird zudem mit den Worten “Du weißt ja genau, was du beim Juve-Spiel machen musst.” zitiert, die gegenüber Seria-A Schiedsrichtern gefallen sein sollen.

Für die Substanz der Vorwürfe spricht vor allem die Tatsache, dass sich Turins Eignerfamilie Agnelli von Sportdirektor Moggi und Geschäftsführer Giraudo trennen will. Weiterhin ist der Präsident des italienischen Fußballverbands Carraro zurückgetreten.