Archiv 'Deutschland 2006'

Plastik-Paninis

29. Juni 2006 | 09:12

Offensichtlich hat es beim Verkauf der Panini-Bildchen im Einzelhandel große Verluste durch „Verzählungen“ gegeben. Oder wie sonst ist es zu erklären, dass es jetzt acht Aufkleber-Päckchen schön eingeschweißt in einer formschönen Plastikverpackung zu kaufen gibt? Der Preis ist der gleiche, nur das fehleranfällige Zählen können sich die Verkäufer und Verkäuferinnen sparen. Und es gibt halt ein bisschen mehr Müll.

Meine Hoffnung, dass diese exklusiven Pakete auch nur exklusive Bilder enthalten, wurde leider enttäuscht. Das verdammte Wappen unsere Nationalmannschaft war nicht dabei. Und der Jens auch nicht.

Damit keiner mehr zählen muss - Panini-Bilder in 40er-Paketen

Training der Italiener

28. Juni 2006 | 17:12

Der Guardian war investigativ und hat alles aufgedeckt.

Intuition, Bauchgefühl, Ahnung…

28. Juni 2006 | 16:12

Jogi Löw - Naht das Ende?

Wir verlieren am Freitag. Prügelt mich, doch mein Gefühl für das AchtelViertelfinale gegen Argentinien verheisst alles, aber keinen Sieg. Die Essenz dieser Weltmeisterschaft scheint darin zu bestehen, daß Teams mit unansehnlicher Spielphilosophie erfolgreicher abschliessen. Beispiele: Brasilien, England, Frankreich, Italien. In einigen Fällen ist die Spielphilosophie nicht nur unansehnlich, sondern schlichtweg nicht vorhanden. Zuweilen sogar zum Erbrechen, wenn wir an einen überbewerteten Mittelfeldspieler britischer Herkunft denken.

Insgesamt ist der öffentliche Tenor zu positiv. Ob Masse, Medien, WM-Blogger-Patrick, Firlefranz oder Günter Netzer: Der Sieg ist eingeplant, ein Scheitern wird nicht in Betracht gezogen und allein der Gedanke daran grenzt an Hochverrat. Rein sachlich sind meine Zweifel natürlich nicht zu begründen. Vielleicht lags auch einfach an Jogis Miene anlässlich der heutigen Pressekonferenz (Bild oben). Aus seinen Gesichtszügen spricht eher der Irrsinn des bevorstehenden Zusammenbruchs, als die Gewissheit des kommenden Triumphes.

Vielleicht werde ich bis Freitag geheilt. Klinsi beschäftigt ja auch einen Psychologen, also bis dahin Krisenintervention beim Sportpsychologen in Anspruch nehmen. Ich werde erneut mein Trikot überstreifen, mit Gloystein & Co die Nationalhymne in der korrekten Strophe anstimmen und mein Haupt 90 oder 120 Minuten in den Händen vergraben, weil die Spannung kaum erträglich sein wird. Nachdem die deutsche Mannschaft bravourös kämpfend einen 0:2 Rückstand durch zwei Treffer Saviolas ausgeglichen hat, verlieren wir im Elfmeterschiessen. Wenn nicht wäre das ein schöner Anlass, der Freundin den fälligen Heiratsantrag zu machen. Wobei man sich sowas natürlich eher für das Finale aufheben sollte. Wenn es denn doch klappt.

Der berühmte Ruck

28. Juni 2006 | 14:33

Klinsi kann auch andersIn einem Interview mit der ZEIT, das morgen erscheint, attackiert Jürgen Klinsmann die Bundesliga und den DFB. „Wenn wir international den Anschluss nicht auf Jahre verpassen wollen, muss ein gewaltiger Ruck durch Fußballdeutschland gehen“, sagte Klinsmann. Für den Bundestrainer ist der Einzug in das WM-Finale die Voraussetzung für die Fortsetzung seiner Spielphilosophie, zu der sich der Deutsche Fußball-Bund noch nicht bekannt hat.

„Wenn wir rausfliegen würden gegen Argentinien, ginge die Diskussion wieder los: Wäre es nicht besser gewesen, abzuwarten? Erstmal hinten dichtzumachen? Auf Konter zu lauern? Deshalb ist es auch so wichtig, dass wir weiterkommen, noch weiter, bis zum Endspiel. Vor allem, damit dieser Prozess das einzig entscheidende Gütesiegel bekommt: den Erfolg. Und wir werden ihm dieses Gütesiegel verpassen“, sagt Klinsmann der ZEIT.

Auch das Niveau der Bundesliga-Spitzenclubs kritisierte Klinsmann: „Das was wir machen, ist einfach internationaler Standard, das ist der Fußball von FC Barcelona, von Arsenal London, von Ajax Amsterdam. Zwischen den deutschen Topteams und diesen Mannschaften liegen Welten.“

Na dann, let’s ruck

» Bildquelle: obs/MasterCard

Kochen für Ballack

28. Juni 2006 | 13:34

Kochen für BallackSchaut eigentlich wirklich jemand all diese Kochsendungen? Abgesehen von den sonntäglichen Wiederholungen der Jamie Oliver Shows auf RTLsonstwas kann ich zu diesem Thema nicht viel sagen. Hier fällt mir wenigstens die miese Qualität der Synchronisation ein. Deswegen (und aufgrund der Tatsache, daß ich in den letzten Monaten am Sonntagvormittag ohne die Folgen übermäßigen Alkohol-Konsums erwachte…) habe ich Jamie seit ein paar Wochen nicht mehr verfolgt.

Ins Genre Kochsendung fällt wohl auch „Das perfekte Dinner“ auf VOX. Vermutlich eine Produktion bei deren Betrachtung ich körperliche Schmerzen erleiden dürfte, aber es wird wohl einen Markt für derartige Formate geben – angeblich schauen 1,65 Millionen Zuschauer beim perfekten Dinnieren zu.

Im Auftrag von VOX hat Forsa eine repräsentative Umfrage in Auftrag gegeben. Thema: „Wen aus der deutschen Nationalmannschaft würden Sie gern zum perfekten Dinner zu sich nach Hause einladen?“

Ergebnis: 21% der deutschen Frauen würden angeblich Michael Ballack zum Dinner einladen, gefolgt von Jürgen Klinsmann (10%), Miro Klose (8%) und Jens Lehmann (6%). Trotz Team-Solidaritäts-Bonus von Oliver Kahn wird dieser von lediglich 1% der Damen favorisiert. Versteh einer die Frauen. Wer zu einem Club in der kulinarischen Diaspora (England) wechselt, dürfte als Gourmand kaum taugen.

» Bildquelle: obs/Coca-Cola

Gerd Müller ist nicht mehr Rekordtorschütze.

27. Juni 2006 | 17:53

Gerd Müller ehemaliger Rekordtorschütze Täuschen wir uns oder lügt die Statistik? Bis gerade eben war Gerd Müller, einst als „Bomber der Nation“ bekannt, mit 14 Treffern der beste WM-Torschütze. Ronaldo müsste Müller mit seinem Treffer zum 1:0 gegen Ghana nun allerdings überholt haben und 15 Treffer verbuchen.

PS: Aus der Überraschung unserer afrikanischen Freunde scheint nichts zu werden. Adriano hat soeben das 2:0 erzielt.

Pressekonferenz

27. Juni 2006 | 13:00

„Die Deutsche Mannschaft hat sich wieder Respekt verschafft in der gesamten Fußballwelt“

EMVAU anlässlich der offiziellen DFB-Pressekonferenz. So unsympathisch, wie wir dachten ist der Mann gar nicht. Latent lallend strahlt Mayer-Vorfelder diese beruhigende Aura der guten alten Zeit aus. Da staunt selbst die chinesische Fachpresse.

» Ticker

Schweiz vs. Ukraine

26. Juni 2006 | 22:13

„Die einzige Qualität von dieser Begegnung hier in Köln kommt von der Spannung.“

Hat Bela Rethy gerade im ZDF erzählt. Bis dato ein nicht wirklich spannendes Spiel. Selbst Franz schaut neben Blatter-Sepp auf der VIP-Tribüne mitleiderweckend aus. Vielleicht doch besser die Doku auf Phoenix schauen.

Sönke Wortmann & Oliver Kahn im Spiegel Interview

26. Juni 2006 | 19:56

Der Titan mal authentisch jenseits der Heldenrolle mit Sönke Wortmann als Sekundanten. Beim Lesen kommt Vorfreude auf die von Wortmann derzeit gedrehte Dokumentation auf.

Auszug:

Kahn: Das Fernsehen transportiert diese aggressiven Bilder, da bekommen die Leute einen bestimmten Eindruck von mir. Wenn man mich näher kennenlernt, bleibt dieser mediale Kahn nicht lange bestehen.

Link: SpOn

Der Coach und das Denkmal

26. Juni 2006 | 17:05

Ruud van Nistelrooy Krach Marco van BastenEhrlich gesagt: Im Gegensatz zu manch anderem Betrachter empfand ich das Spiel gestern als hoch unterhaltsam. Natürlich kann man auf die Vorbildfunktion von Nationalspielern verweisen und das zu späte (und inkonsequente) Handeln des russischen Referees kritisieren, aber ich fand es wirklich spannend. Einen Fight dieser Intensität habe ich im bisherigen Turnierverlauf nicht betrachten dürfen. Die Undiszipliniertheiten der Portugiesen waren ebenso ein interessanter Aspekt. Das ein international eigentlich recht erfahrener Spieler wie Deco bei schon erhaltener Gelber Karte den Ball sperrt, erlebt man auch nicht täglich. Fußball ist eben nicht nur Offensivzauberei. Irrsinnig wird derjenige, der auf der Bank sein Dasein fristen muss. Gestern Abend war dies Ruud van Nistelrooy.

Die Frage, warum Bondscoach (das Lieblingswort aller hiesigen Kommentaroren zur Demonstration des kosmopolitischen Horizonts) van Basten das Denkmal des niederländischen Teams selbst in den letzten Minuten gegen Portugal nicht eingesetzt hat, dürfte heute und in den nächsten Tagen die Medien unserer tiefergelegten Nachbarn beherrschen. Angeblich hat es im Quartier der Niederländer nach Bekanntgabe der Aufstellung Riesenkrach gegeben. Wasserträger dieser Meldung ist allerdings die Sonntagsausgabe einer gewissen Publikation mit vier Buchstaben, insofern sollte man den Wahrheitsgehalt hinterfragen.

Zwar ist van Nistelrooy in den Gruppenspielen nicht an seine alte Form herangekommen, in einem dramatischen Spiel wie gestern wäre ein erfahrener Stürmer wie er allerdings hilfreicher gewesen, als der für ihn ins Team gerückte Dirk Kuyt. Kurz vor Schluss wechselte van Basten zudem Vennegor of Hesselink ein, was angesichts des Spielverlaufs eine noch größere Demütigung für van Nistelrooy gewesen sein muss, als die Nicht-Nominierung für die Startelf. Van Basten muss sich nach dem Ausscheiden fragen, ob die öffentliche der Kritik bei einem so erfahrenen Spieler wie van Nistelrooy nicht unnötige Unruhe ins Team gebracht und den Streit mit „Van the Man“ erst provoziert hat.

Es bleiben drei Weisheiten: Van Nistelrooy dürfte unter dem derzeitigen Coach vermutlich nicht wieder nominiert werden, die Platzprobleme auf Deutschlands Campingplätzen sind gelöst und Oranje ist zumindest bis 2008 alles andere, aber nicht boven. Ist trotz meiner halben Kindheit auf einem reizenden niederländischen Eiland eine wirklich angenehme Feststellung.