Medien-GAU
29. April 2008 | 10:23Gestern Ivan Klasnic nebst seiner sekundierenden Gattin, Anwalt und medizinischer Fachkraft bei Beckmann gesehen? War sehr spannend. Ungeachtet der tragischen Krankheitsgeschichte und den persönlichen Auswirkungen auf Familie und Karriere muss man sich fragen, wer hier wirklich die treibende Kraft dieses Auftrittes war und ob der Killer nicht eher von Gattin und Anwalt zu diesem Auftritt kurz vor Saisonende (in einer entscheidenden Phase) gedrängt wurde.
Nach den Äußerungen kann man sich einen neuen Kontrakt für Werder nicht vorstellen, der Prozeß wird sicherlich einen Zeitraum in Anspruch nehmen, der über den Beginn der neuen Saison hinausgeht. Werder wird sich fragen, ob man die Unruhe im Umfeld mit einkauft und ob von Seiten Klasnic´s überhaupt noch Interesse an einer Weiterverpflichtung besteht. Beides kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.
Eine weitere Konsequenz neben dem Abschied von Klasnic: Auch für Doc Dimanski wird es über die Saison hinaus sicherlich keine Perspektive mehr geben. Durch den Auftritt von Klasnic und die Äußerungen auch anderer Spieler in der vergangenen Saison (Womé, Frings, etc.) hat Werders Sport-Arzt keine Zukunft mehr. Welcher Spieler will sich an einen Verein binden, der einen Mediziner mit dieser Reputation beschäftigt?
Letzlich muss man sich fragen, ob das mediale Krisenmanagement wirklich so sinnig war und ob man von Vereinsseite nicht schon am Samstag, beispielsweise in einem Auftritt im ASS, auf das Interview hätte reagieren sollen. Verlieren werden bei dieser unschönen Geschichte alle Parteien: Der Verein, dessen Image als Spaßfußball-Institution seit gestern Abend nachhaltig beschädigt ist. Aber auch der Spieler, der sich aufgrund des Zeitpunktes seiner Klage vermutlich um viele Sympathien in Verein, Umfeld und Anhängerschaft gebracht hat.
Für den Verein ist die Angelegenheit der größte Medien-GAU seit dem Abgang von Aad de Mos anno ´96.
Ich gebe es zu, ich schaue gerne Frauenfußball. Heutzutage steht man ja immer noch unter Rechtfertigungsdruck, wenn man sowas im Stadion erzählt. Doch ehrlich gesagt: Den Anspruch den die Nation an die Herren-Nationalmannschaft stellt, erfüllen die Damen schon seit geraumer Zeit. Die letzten zwei Weltmeisterschaften gewonnen, dabei im vergangene Jahr die Argentinierinnen mit 11:0 abgefertigt und am letzten Donnerstag die Chinesinnen mit 2:0 geschlagen.


