Ausverkauf einer Institution: ManU, Glazer und die Folgen…

09. Januar 2006 | 21:49 von Björn Hornemann

manchester unitedManchester United gehört zu den Institutionen britischer Fußballkultur. Nicht zuletzt wg. dieses Clubs haben sich Millionen trendversessener Afficionados an der aktuellen Frisur von David Beckham orientiert, doch das nur am Rande. Die Idylle bekam zwar schon in den vergangenen Jahren mit dem Weggang von Beckham und der zunehmenden Kommerzialisierung Risse, das Worst-case-Szenario für traditions- bewusste Anhänger trat jedoch im Mai des vergangenen Jahres ein.

Mit Malcolm Glazer kaufte ein 76-jähriger Milliardär die Aktienmehrheit des an der Börse notierten Clubs. Glazers Problem: Er ist Amerikaner im Heiligtum der britischen Vettern: dem Fußball. ManUs Problem: Glazer hat keine Ahnung von Fußball und seiner Wirkung auf die Öffentlichkeit. Schon gar nicht von den Emotionen welche eine „feindliche Übernahme“ in diesem gefühlsbetonten Geschäft auslösen kann. Am 14. Mai 2005 verkauften die irischen Anteilseigner John Magnier und John Paul MacManus 29% der Anteile an den Unternehmer aus den Staaten. Der Verkauf löste eine Welle des Widerstandes aus, hatte Glazer doch schon nach dem Kauf des US-Football Teams Tampa Bay Bucaneers gezeigt, wie seine Strategie aussehen würde.

Um den Kauf des Clubs zu finanzieren, erhöhte Glazer die Kartenpreise und erweiterte das Merchandising-Angebot bis zum oberen Limit. Eine Image-Kampagne verbunden mit karitativen Zuwendungen von angeblich 1,5 Mio. $ bewirkte für Glazer den Stimmungsumschwung, zumal die Bucaneers 2003 den Super-Bowl gewannen.

malcolm glazerDie Bereitschaft zur Flexibilität hatte Glazer (Bild) bei den britischen Fußballfans allerdings überschätzt. Unbeliebt machte sich der Unternehmer vor allem mit der Tatsache das er den Kaufpreis von 790 Mio £. über Darlehen stemmte und die Verbindlichkeiten auf den Verein überschrieb. Seither hat ManU jährliche Tilgungszahlungen von 20 Mio £ zu verkraften, was auch in der Premierleague keine geringe Summe ist. Das viele Zuschauer aufgrund erhöhter Ticketpreise keine Dauerkarten mehr orderten war zu erwarten. Wirkliches Rückgrat zeigte eine Gruppe Supporter, die schon lange über den Sell-Out des Clubs frustriert war. Sie gründete den eigenen Verein F.C. United of Manchester, welcher selbst in der unterklassigsten North West Counties Football League regelmäßig auf 2-3.000 Zuschauer kommt.

Wirklich ernst wurde Glazers Situation in den vergangenen Wochen: Im Dezember kündigte Trikotsponsor Vodafone zwei Jahre früher als geplant den mit 13,5 Mio EUR dotierten Kontrakt als Trikotsponsor des Clubs. Dazu ist ManU in der ertragbringenden Championsleague ausgeschieden und kann daher nicht mit den entsprechenden Fernsehgeldern und Prämien der UEFA kalkulieren. Zwar bleibt eingefleischten ManU-Anhängern zu wünschen, dass es wieder aufwärts geht, allerdings kam man am vergangenen Wochenende beim FA-Cup spiel gegen den Fünftligisten Burton Albion nicht über ein 0:0 hinaus. In der Premierleague hat ManU 13 Punkte Rückstand auf Chelsea. Fast schon prophetisch wirkt da ein Artikel in der FAZ vom Mai vergangenen Jahres: „Fußball ist eine Wirtschaftsbranche, die nur zum Teil mit Toren und TV-Rechten handelt. Vor allem verkauft sie Emotionen. Dieses Produkt holt man sich nicht einfach bei einem anderen Anbieter, wenn Preis oder Leistung nicht mehr stimmen. Gerade in England gilt die Unterstützung für einen Klub als ein Stück Identität, lebenslänglich. (…)“

Ob Malcolm Glazer zu der gleichen Ansicht kommt, bleibt abzuwarten. Doch auch wenn alles in Bewegung ist um Old Trafford, so bleibt doch eine Konstante: Das Stadion selbst. ;)

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