Ligapokalbegegnungen sind Methadon für Fußballsüchtige. Die Spiele finden annähernd unter realen Wettbewerbsbedinungen statt, die Kulisse fällt entsprechend aus und wenn zwei Mannschaften mit Titelambitionen aufeinander treffen, sieht das sogar nach ernsthaften Wettkampf aus.
Nun fiel das gestrige Ergebnis nicht wirklich zur Zufriedenheit grün-weisser Supporter aus. Das sich das Fehlen von Stammkräfte wie Diego, Naldo und Almeida derart massiv auswirkt hatte ich nicht erwartet. Auch Neuzugang Alberto wurde schmerzlich vermisst. Vor allem weil Vranjes als dessen Vertreter einmal mehr enttäuschte und sich nach wie vor die Frage aufwirft, wie solche Spieler einen Stammplatz erreichen wollen?
Premiere/Sat1 vollzog schon gestern den medialen Kniefall und lobte die “galaktischen” Bayern in den Himmel. Einzuordnen in der Kategorie: Haus & Hof-Berichterstattung. Da schiesst ein Altintop ausnahmsweise mit links und schon heisst es: Traumtor. Ein Ribéry rennt in der ihm eigenen Art nebst Ball über den Platz, Ze Roberto spielt ein paar schöne Pässe. Schon wird von Traumfussball gesprochen. Vielleicht ist es eine Frage des Blickwinkels. Wenn ich im letzten Jahr Bayern-Fan gewesen wäre, würde ich das auch für Traumfussball halten. Aber was man gestern gesehen hat, war weniger Bayerns Stärke als Werders Schwäche. Denn nur wer nicht attackiert wird, kann diese Sicherheit in den Kombinationen halten.
Die Naivität der Premiere-Journalisten zeigte sich vor allem im Interview nach dem Spiel, als Klaus Allofs gefragt wurde wie er denn Anfeindungen der Bremer Fans gegen “Ihr wisst schon wen” verhindern wolle. Glaubt ernsthaft jemand, daß im Weserstadion keine Schmähungen aus der Kurve kommen, nur weil Vereinsobere um Mäßigung bitten? Sowas gibt es nur in der schönen, fairen und neuerdings auch dopingfreien Utopie der Sportjournalisten. Nicht in der Realität. Das so eine Frage ernsthaft gestellt wird ist beleidigend für Zuschauer mit Durschnitts-IQ.
Positive Erkenntnisse aus Bremer Sicht gab es dann doch: Andreasen zeigte meines Erachtens sehr schöne Ansätze und damit einen weiteren Grund, daß man ihn nach Möglichkeit bei Werder halten sollte. Und eine Niederlage wie diese sollte Ansporn genug sein, am 18. August die passende Antwort zu geben. So langsam geht einem der Hoeneß ja schon auf den Zeiger *g*