Archiv April, 2006

Sportliche Revolution im Iran

25. April 2006 | 11:27

Auf dem Weg ins Stadion? Iranerinnen dürfen wieder Fußballspiele besuchen

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad macht in den letzten Tagen ja eher Schlagzeilen mit seinem Atomprogramm, als mit progressiven politischen Neuerungen.

Und gerade deshalb sollte man diese Meldung auch nicht einfach unter den Tisch fallen lassen: Erstmals seit 1979 dürfen iranische Frauen wieder Fußballspiele besuchen und sollen sogar die besten Plätze in den Stadien zugewiesen bekommen. Jedenfalls steht das in einem Brief des Präsidenten an die Sportchefs im Iran.

Begründungen für das Verbot waren bisher die „unkeusche“ Kleidung der Spieler (kurze Hosen) und die von Fußballfans offensichtlich gerne benutzte „Pöbelsprache“, vor der die Iranerinnen geschützt werden sollten.

» Bildquelle: photocase.com

Hauptsache dagegen

25. April 2006 | 10:08

Vorrundenaus - Dogmatiker sind böseBei aller berechtigten Kritik an Kommerzialisierung und Sicherheitsparanoia rund um die WM entsteht der Eindruck, dass der Naturfreundejugend Berlin die Feindbilder ausgehen. „Vorrundenaus 2006 – Deutschland vom Platz fegen“ ist das Motto einer Kampagne der Friedrichshainer Aktivisten, die mit Klischees von einst aus der Bedeutungslosigkeit zu flüchten versuchen.

Fußball schafft einen Raum, in dem zum Beispiel Nationalismus und Sexismus besonders offensiv und aggressiv ausgelebt werden. Bei Fußballspielen ist es selbstverständlich und gesamtgesellschaftlich legitim „für Deutschland“ zu sein.

So sind wir eben. Bierbäuchige Proleten, die ihre reaktionären Vorlieben in den Stadien der Nation ausleben.

Und dass Fußball nichts für Frauen ist, fußballspielende Frauen langweilig anzusehen sind und man als weiblicher Fußballfan nur dann akzeptiert wird, wenn man sich entweder besonders gut mit der Materie auskennt oder besonders wenig an hat, scheint ebenfalls allgemeingültig.

Muss man das verstehen? Vermutlich nur, wenn man seine Jugend auf Friedens- und Anti-Atomkraft-Demos verbracht hat. Schön ist ja, dass wir viele dieser Menschen in etablierten Zirkeln sehen werden, sobald ihre Einkommenssituation dies zulässt. Vermutlich sitzen sie dann in Business-Lounges der Arenen, huldigen dem schnöden Kapital und freuen sich über ihre ausgeprägte politische Korrektheit.

Abgesehen davon ist die Kritik am angeblichen Sexismus so aktuell wie das C-Netz. Das weibliche Anhänger einen stark wachsenden Anteil am zahlenden Publikum ausmachen und das nicht nur als Anhängsel ihrer chauvinistischen Beherrscher, scheinen die Kämpfer für eine bessere Welt irgendwie verpasst zu haben. Der Slogan „Deutschland vom Platz fegen“ wirkt jedenfalls irgendwie niedlich 80er antiquiert.

Gefunden via finale.blogsport.de.

Vorhang auf für die große Blatter-Show

24. April 2006 | 13:38

Das es zwischen OK-Chef Franz Beckenbauer und FIFA-Boss Joseph Blatter nicht so gut läuft, ist bekannt. Diverse Querelen im Vorfeld der Weltmeisterschaft sorgten für Schlagzeilen und kleinere Image-Schäden.

Neuster Streich des Oberkommandos der FIFA: Der „Kaiser“ hat zu schweigen. Vor dem Eröffnungsspiel Deutschland gegen Costa Rica bekommen nur Bundespräsident Horst Köhler und – natürlich – Herr Blatter Redezeit zugesprochen. Beckenbauer ist als Chef des Organisationskomitees, anders als seine Kollegen bei vergangenen WM-Turnieren, nicht für eine Ansprache eingeplant.

Beckenbauer reagierte gelassen, sagte aber:

Der WM-Ausrichter wird beim Ablauf noch ein Wörtchen mitzureden haben.“

Man kann nur hoffen, dass die Herren bei der FIFA die eigentliche Idee hinter der Fußball-Weltmeisterschaft nicht komplett vergessen. Und dass die Mini-Eröffnungsfeier in München nicht in einem Eklat endet, weil die Fußballfans sich Blatters Arroganz nicht bieten lassen wollen.

Finanzkrise: 1860 München droht Insolvenz

24. April 2006 | 12:54

1860 MünchenWie falsche Transferpolitik und unfähige Führungspersonen einen Verein in den finanziellen Kollaps führen können, zeigt derzeit der TSV 1860 München. Der Traditionsclub und mehrfache Deutsche Meister befindet sich seit der Wildmoser-Affäre in permanenter Krisenbewältigung. Vorbei die Zeiten, als man sich noch in der Qualifikation zur Champions League befand und dem Stadtrivalen FC Bayern langfristig paroli bieten wollte.

Sportlich scheint der Klassenerhalt in der zweiten Liga zwar gesichert, wirtschaftlich droht den Münchenern nun die Insolvenz. Die Berliner Morgenpost zitiert Finanz-Geschäftsführer Ziffer folgend: „Wenn wir am 2. Mai in Unterhaching spielen, sind wir entweder gerettet oder müssen einen Antrag auf Insolvenz stellen. Das sind ungefähr noch zehn Tage. Es wird ein Kampf gegen die Zeit (…) Wer dem Verein nahe steht und helfen will, soll sich bei mir melden“

Die Bilanz weise eine Deckungslücke von 8-10 Millionen EUR auf. Aus eigener Kraft könne sich der Verein nicht mehr retten, so Ziffer gegenüber SPon.

Therapiestunde mit Sepp Maier

24. April 2006 | 12:12

Sepp Maier beschimpft Jürgen KlinsmannSelten bekommt man beginnende Verbitterung so schön demonstriert wie am Beispiel Sepp Maier. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gab sich Maier gegenüber dem Gespann Klinsmann, Löw, Bierhoff unversöhnlich. Das folgende Zitat gehört zu den sachlicheren Aussagen:

(…) Meinen Sie vielleicht, daß wir in Deutschland keine super Koordinationstrainer haben? Da fliegen die von Amerika hierher, nur damit die Spieler sich Bänder zwischen die Füße binden und wie Enten auf der Aschenbahn gehen, und der DFB zahlt so was. Das kostet Hunderttausende Euro! (…)

Sepp Maier war bis Oktober 2004 Torwarttrainer der Nationalmannschaft. Nachdem er öffentlich für Oliver Kahn Partei ergriff, wurde er von Klinsmann abgelöst. Einsicht zeigt die einstige Torwart-Ikone kaum, im Interview betitelt er Klinsmann als „linken Schleimer“.

» Bildquelle: seppmaier.de

Rheuma Kai ist raus

21. April 2006 | 18:15

Marco Van BastenBondscoach Marco van Basten hat heute das vorläufige 33-köpfige Aufgebot der niederländischen Elftal für die WM bekanntgegeben. Für deutsche Medien auffallend, das mit Boulahrouz, de Jong und van der Vaart zwar drei Hamburger selektiert wurden, der derzeit formschwache Makaay aber aussen vor gelassen wurde. Auf niederländischer Seite nicht überraschend da man nie wirklich ein Stürmerproblem hatte. Hingegen wurde Huntelaar von Ajax Amsterdam das erste Mal ins Aufgebot berufen, der im Gegensatz zu Makaay in dieser Saison bereits 33 Buden geschossen hat. Liga-Tore versteht sich. Da neben den Superstars van Nistelrooy und Robben noch sieben weitere Stürmer im vorläufigen Aufgebot stehen, das bis zum 15. Mai auf 23 Spieler gekürzt wird, hilft Makaay eigentlich nur ein von Uli Hoeneß gesteuerter Panzer, der im Trainingslager in Noordwijk die Auswahl minimiert. Bis zum 15. Mai ist kein Länderspiel mehr geplant, also wird die Rheumacouch wohl demnächst öfter besetzt sein.

Eichhörnchen im Highbury Park

21. April 2006 | 12:23

Das letzte Champions League Match im ehrwürdigen Highbury Stadion (Die Gunners beziehen zur nächsten Saison ein neues Stadion) und dazu noch Arsenal im Halbfinale gegen Villareal, das will sich selbst die Tierwelt nicht entgehen lassen. Somit betrat ein Eichhörnchen wärend der ersten Halbzeit (unter großem Beifall des Publikums) das Spielfeld, um aus nächster Nähe die Paraden der neuen deutschen Nummer 1 Jens Lehmann zu verfolgen. Lehmann selbst gab sich im Interview trotz des Sieges (Arsenal gewann 1:0) unzufrieden: „Ich bin enttäuscht, in Deutschland sind die Eichhörnchen schön und braun, hier nur grau.“

Reformunfähigkeit am Beispiel Scholl.

21. April 2006 | 08:44

Mehmet Scholl für DeutschlandAls Jürgen Klinsmann am 26. Juli 2004 sein Amt als Coach der Nationalmannschaft antrat, schien er der Messias des Deutschen Fussballs zu sein. Reformen sollten seine Ära begleiten, man wünschte sich den Umbruch. 2006 nimmt die Neuausrichtung in Form von neuen Trainingsmethoden, Offensiv-Fußball und der Versetzung Oliver Kahns auf die Ersatzbank Gestalt an. Der einst jubelnde Boulevard empört sich und entdeckt Klinsmann als neues Feindbild. Parallel kommen all jene aus der medialen Deckung, die mit dem polarisierenden Klinsmann im Lauf seiner Karriere Konflikte austragen mussten – Matthäus, Effenberg, Breitner. Höhepunkt: Die brüskierten Funktionäre im DFB setzten Klinsmann mit Matthias Sammer einen Aufpasser und vermutlichen Nachfolger zur Seite. Das man damit die Authorität des Bundestrainers massiv beschädigt hat um die eigenen Pfründe zu sichern, zeugt von der Kurzsichtigkeit und Reformunfähigkeit im Verband.

Nachdem die T-Frage essentielle Themen der Gesellschaft an den Rand gedrängt hatte schien Ruhe einzukehren. Doch die nächste Baustelle bahnt sich an: Nation und Bild-Zeitung (mit ihren obengenannten Kolumnisten) fordern Mehmet Scholl. Einen technisch äußerst fähigen Spieler, der mit 35 Jahren langsam das das fussballerische Rentenalter aufziehen sieht. Trotz starker Auftritte in den vergangenen Wochen passt dieser kaum in das Konzept Klinsmanns, eine neue junge Mannschaft aufzubauen die sich über die WM hinaus wieder an die Weltspitze heranspielt und sich vom Phlegma der „deutschen Tugenden“ befreit. Zudem: Wie soll ein Spieler, der selten die vollen 90 Minuten absolviert, als Edeljoker zum erfolgreichen Turnier beitragen? Die Helden vergangener Tage, meist disqualifiziert durch ihre Eskapaden nach der aktiven Karriere, hoffen wohl immer noch auf höhere Weihen. Herbeigeschrieben durch eine bestimmte Boulevardzeitung. Laut Rund Magazin forderte 74´-Veteran Paul Breitner zuletzt die Installation eines Liberos. Mit modernem Fußball hat das nicht mehr viel zu tun und wirklich ernst nehmen kann man Breitner nach solchen Äußerungen nicht mehr. Aktionen wie „Mehmet für Deutschland“ mit ihren 98.000 Unterzeichnern lösen vor allem eines aus: Kopfschütteln.

Zurück zu den „deutschen Tugenden“? Engangement und aggressives Zweikampfverhalten sind wünschenswert, eine Rückkehr zum Rumpelfussball vergangener Tage definitiv nicht. Nicht umsonst haben sich Kombinationsfußball-orientierte Teams wie Werder Bremen oder Mainz 05 mit ihrer attraktiven Spielweise Anhänger in ganz Deutschland erarbeitet. Bleibt zu hoffen, das sich Klinsmann mit seiner Spielphilosophie durchsetzen wird und damit erfolgreich ist. Erfolg bringt eben auch den letzten Kritiker zum Schweigen.

» Bildquelle: fcbayern.de

WM-Merchandising-Irrsinn

20. April 2006 | 22:25

Die neuen Bundesländer scheinen ökonomisch in der Tat am Boden zu liegen. Da wird schonmal eine Gewerbefläche erschlossen, auf der später keine Betriebe angesiedelt werden. Immerhin verfügt man über schöne asphaltierte Strassen inmitten einer Brache, so etwas bietet nicht einmal der einst gelobte Westen. Aus der Not heraus werden innovative Konzepte geboren, um endlich für den eigenen Wohlstand zu sorgen.

Ein Unternehmer aus dem brandenburgischen Königs-Wusterhausen nahe Berlin hatte den Geistesblitz: Kleine an Schlüsselanhängern befestigte Tüten, aus denen Soccer-Afficionados WM-Luft schnüffeln können. WM-Luft gehört schließlich zur Gruppe jener Artikel, auf die Fußball-Fans weltweit warten. In Tüten abgefüllte „Luft, die nach Fußball, Rasen und Wettkampfstimmung duftet“. Glänzende Idee, die Kilo-Chips können fliessen. Zumal der kommende Millionär einen Absatz von 10 Millionen Einheiten erwartet. Demnächst im Angebot: Favela-getesteter Klebstoff. Gefunden via finale.blogsport.de.

Blog Spam für Nike?

20. April 2006 | 13:35

Seit einiger Zeit bekommen wir (und diverse weitere Freunde des Runden Leders wie Zeit, Computerwoche,…) immer wieder nette Kommentare vom südamerikanischen Kontinent. Der ach so authentischen Community-Website von Nike scheinen die Mitglieder zu fehlen. Luciane kommentierte bereits diverse Themen mit der freundlichen Einladung die Jogabonito-Website anzusteuern.

„Hi!! Alles klar ?? Weisst du schon dass die Nike eine neues werbung über die weltmeiserschaft gemacht hast?? Das sind viele videos über fussball spieler. Die videos sind echt klasse!!! Wenn du dass mal gucken willst kannst du dass hier finden http://www.nk6.com.br/jogabonito“

Luciane hat eine IP von Brasil Telecom, soviel liess sich schonmal feststellen. Dazu hat sie noch eine falsche E-Mail-Adresse bei Hotmail (lucianefenner@hotmail.com) und wirkt offensichtlich für einen der bekannteren Sportartikelhersteller. Ob es sich bei Luciane um eine Nike-Mitarbeiterin oder eine PR-Praktikantin aus Brasilia handelt ist vorerst nicht zu klären. Das diverse Unternehmen aus dem Segment Sportartikel ihre Produkte in Schwellen- oder Dritte Welt-Staaten herstellen lassen, war bekannt. Das nun auch das linguistische Spam-Dauerfeuer auf Blogs dazugehört, könnte man den Globalisierungs-Gegnern als Munition für Ihre Demos liefern. Völlig neue Ertrags-Modelle bahnen sich hier an, eine Anleitung gibt es bei Indiskretion Ehrensache.