Nach dem 1:4 der Nationalmannschaft offenbart sich in den Medien derzeit eine interessante Reaktion. Aus allen Ecken kommen Hinterbänkler aus dem Bundestag und natürlich Funktionäre des DFB, um im allgemeinen Trend des Schwaben-Bashings ordentlich auf die Sozialneid-Schiene zu setzen.
Man kann sich schon fragen, ob dieses Land derzeit von keinen anderen Problemen gebeutelt wird wenn die Wohnortfrage des Teamchefs Titelseiten und Nachrichtenblöcke füllt. Auf den kompromisslosen Reformkurs von Klinsmann folgt der Reflex einer Nation von ca. 35 Millionen Bundestrainern. Selbst Spiegel-Online begibt sich auf das Niveau der BILD und beteiligt sich an der öffentlichen Demontage von Klinsmann. Äußerst enttäuschend war vor allem auch der Auftritt von 11freunde Chefredaktreur Phillip Köster bei N24 (dessen Magazin neigt üblicherweise zu einer ausgewogeneren Meinung), der (aus eventueller Unerfahrenheit im Umgang mit Massenmedien?) in die gleiche Kerbe haut. Flugkosten aus den Staaten nach Deutschland werden zum Thema gemacht, ein relativ bedeutungsloser Workshop zur Pflichtveranstaltung deklariert. Glaubt man der aktuellen Berichterstattung, so legt Klinsmann in Kalifornien die Beine hoch und wartet fröhlich auf bessere Zeiten. Für die deutsche Mentalität sind die Begriffe “Arbeit” und “Kalifornien” anscheinend nicht in Verbindung zu bringen.
Vielleicht kam Klinsmann zu früh für die verkrusteten Strukturen der hiesigen Fussballverbände und es stellt sich die Frage, ob Verband und Umfeld überhaupt reformfähig sind. Fast schon ein Spiegelbild einer veränderungsfeindlichen Nation von Kleingeistern. Um mit den Worten unserer blog-internen Soccer-Koryphäe Hrubesch zu sprechen: “Lasst den Mann in Ruhe arbeiten”.