Eine ungewohnte Situation durchleben derzeit Team und Management von Werder Bremen. Nachdem man monatelang damit beschäftigt war, sich als spielstärkstes Team der Liga hypen zu lassen muss man sich nun mit dem Faktum beschäftigen, das aus den letzten 3 Spielen lediglich ein Punkt geholt wurde. Zwangsläufige Folge: Werder rutschte auf Rang 4 ab. Mehr als die Ergebnisse macht die Art und Weise der Niederlagen Sorgen. Schon seit dem Beginn der Rückrunde liessen sich bei Werder eine Häufung individueller Fehler sowie mangelndes Engagement beobachten. Seit dem K.O. gegen Juve ist noch ein anderes (viel ernsteres) Manko zu beobachten: In der Mannschaft stimmt es derzeit nicht.
Schon in der Winterpause brachten Valdez und Wiese mit ihren öffentlich geäußerten Stammplatz-Ansprüchen Unruhe in Team und Umfeld. Innenverteidiger Fahrenhorst bemängelte zuletzt in der WELT “Wir diskutieren über Kleinigkeiten, statt die Probleme anzupacken” und Andreasen ergänzt im gleichen Artikel “Wir regen uns im Training darüber auf, ob ein Ball im Aus war oder nicht. Das war früher nicht so, die Stimmung war viel besser.” Nach der neuerlichen Pleite gegen Nürnberg äußert sich ungewohnterweise auch Sportdirektor Klaus Allofs öffentlich über die Defizite. Ersatzspieler wie Jensen und Vranjes wurden zwar nicht namentlich erwähnt. Es scheint jedoch offensichtlich zu sein, das beide gemeint waren, als Allofs im (sonntäglichen Pflichtprogramm für Fusbballexperten) DSF-Doppelpass vom nicht passenden “zweiten Anzug” sprach. Klar ist: Schafft Werder am kommenden Samstag gegen Hannover keinen Heimsieg, kann man in der Tat den inflationär genutzten Begriff Krise in den Mund nehmen. Schon jetzt hat man 6 Punkte Rückstand auf den zweitplatzierten HSV.
Mittlerweile gehen sowohl Coach Schaaf als auch Allofs deutlicher mit ihren Eleven um. Schaaf strich den trainingsfreien Montag und stauchte seine etablierten Abwehrspieler für Zuschauer & Pressevertreter deutlich hörbar zusammen, als diese im Trainingsspiel 0:6 zurücklagen. Auch die öffentliche Kritik an den Ergänzungsspielern darf so gewertet werden, dass sich das Führungsduo der Bremer Leistungen wie in den letzten Wochen nicht mehr bieten lassen wird.
Entscheidend wird für Werder der April: Sowohl gegen Bayern am 8. sowie Schalke am 23.04. müssen Heimsiege her. Indes: Wer derzeit nicht in der Lage ist Berlin, Kaiserslautern oder Nürnberg zu schlagen, wird auch gegen die Top-Teams keinen Dreier landen.