7 Punkte aus 4 Spielen seit dem Ende der Rückrunde stehen auf dem Konto von Werder Bremen. An sich keine völlige Katastrophe. Wer aber die Auftritte des ehemaligen Titelaspiranten beobachtet hat stellt diverse Analogien fest: Fehlende Abstimmung, Formkrisen bei Leistungsträgern der Hinrunde und vor allem mangelnde Aggressivität zeichnen das Spiel des Traditionsclubs aus dem Norden aus. Schon bei der Pokalpleite gegen St. Pauli war festzustellen das die Bremer den hochmotiviert kämpfenden Hamburgern nicht viel entgegenzusetzen hatten. Gegen Bielefeld rettete man einen 0:1 Auswärtssieg und war die schlechtere Mannschaft, wurde von Mainz im eigenen Stadion an den Rand der Niederlage gebracht, hat gegen Stuttgart dominiert und klarste Chancen vergeben, gegen Kaiserslautern ohne den letzten Siegeswillen 0:2 zu Hause verloren.
Spieler wie Borowski und Klasnic laufen seit ihren Verletzungen der Hinrundenforum hinterher. Owomoyela, zu Saisonbeginn als ambitionierter Nationalspieler von Arminia Bielefeld gekommen, brilliert derzeit vor allem durch seine Unauffälligkeit auf dem Platz. Ungeahnte Schwächen traten am vergangenen Samstag gegen Kaiserslautern auf: Fehlpässe bei der spielerisch stärksten Mannschaft der Liga haben Seltenheitswert. Ärgerlich ist für die Anhänger der Norddeutschen vor allem eines: Sämtliche Punktverluste in dieser Saison waren unnötig und vor allem durch Abwehrfehler, mangelnde Aggressivität und Konzentration verursacht. Bremen ist die einzige Mannschaft die derzeit über das Potential verfügt, dem FC Bayern dauerhaft Paroli zu bieten. Werders größter Gegner der Saison 2005/2006 scheint vor allem das Team selbst zu sein.
Hoffnung besteht allerdings vor allem in zwei Punkten. Micoud offenbart in den letzten Spielen tatsächlich die lange bemängelten Kämpferqualitäten und Thorsten Frings blüht seit seinem Weggang von den Münchener Bayern förmlich auf. Beide gehörten gegen Kaiserslautern zu den engagierteren Spielern, ebenso Frank Baumann oder der für Reinke ins Tor gerückte Tim Wiese. Vor dem Spiel gegen Dortmund wandert Werder auf schmalem Grad, Klaus Allofs gibt sich in einem Interview allerdings optimistisch:
“Mit dem 0:2 haben wir einen richtigen Schuss vor den Bug bekommen. Ich glaube allerdings, dass uns dieser Schuss helfen wird. Es ist besser, einmal richtig zu verlieren, als immer wieder mäßig zu spielen und mal ein Unentschieden, mal einen Sieg einzufahren.”
Verliert Bremen sind Krise und Unruhe im Umfeld vorprogrammiert. Verfolger Schalke wäre im Falle eines eigenen Sieges nur noch einen Punkt vom 3. Platz entfernt. Gewinnt Bremen ist zumindest der Kampf um die Qualifikation zur Champions League wieder spannend.